Siegernahrung: Glutenfreie Ernährung für Höchstleistung

Autor: Novak Djokovic
Verlag: Riva (1. Auflage 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3868834028
ISBN-13: 978-3868834024

Novak Djokovic ist aktuell einer der berühmtesten Tennisspieler. Und er ernährt sich glutenfrei. Sein Buch „Serve to Win: The 14-Day Gluten-Free Plan for Physical and Mental Excellence“ ist nun auch auf Deutsch unter dem Titel „Siegernahrung: Glutenfreie Ernährung für Höchstleistung“ erschienen. Für Tennisfans beginnt das Buch sehr interessant, da Djokovic über sein Leben erzählt, seine Kindheit und den Krieg in Jugoslawien. Man erfährt, wie es sich anfühlt gegen Nadal oder andere Tennisgrößen zu spielen. Für Tennisfans recht interessant, wobei das Buch definitiv keine Biografie ist. Djokovic beschreibt, wie er durch glutenfreie Ernährung und eine generelle Umstellung seiner Ernährung erfolgreicher und fitter wurde. Und hier beginnt das Problem des Buches.

Ein Arzt hat per TV-Ferndiagnose (!) einen Asthmaanfall Djokovics während eines Spiels als Verdauungsproblematik vermutet, Djokovic kontaktiert und dann einen Test mit ihm gemacht, der im Grund so funktioniert, dass eine Scheibe Brot auf Djokovics Bauch gelegt wird und dann geschaut wird, ob Djokovic dann immer noch so stark mit seinem Arm gegen den Arm des Arztes drücken kann, wie ohne Brot am Bauch. Daraus folgte dann die Vermutung: Glutenproblematik. Das wurde durch einen IgG-Test überprüft und man kam zum Schluss er würde Glutenintoleranz und Laktoseintoleranz  haben. Für diese Arten von Intoleranzen (vor allem Laktoseintoleranz) sind dies absolut untaugliche Diagnoseverfahren, die übrigens sogar in einer Studie die Djokovic später zitiert als unbrauchbar beschrieben werden. Djokovic wurde wohl nie schulmedizinisch korrekt diagnostiziert. Er stellte seine Ernährung dennoch um und es ging ihm besser. Es ist also zu vermuten, dass er (zufällig) tatsächlich beide oder zumindest eine dieser Intoleranzen hat.

Wie auch immer, es ist gut, dass es ihm nun besser geht und im Endeffekt ist es ja egal, könnte man sagen. Doch Djokovic steht in der Öffentlichkeit und er schrieb ein Buch. Ein Buch, in dem er mehrfach jedem empfiehlt sich glutenfrei zu ernähren (z.Bsp Seiten 21, 62). Auch wenn er immer wieder darauf hinweist, dass jeder für sich seine Ernährung finden solle (was auch stimmt), so bleibt der Eindruck einer Art Missionierung auf glutenfreie Ernährung für alle.

 

„Der Verzicht auf Gluten kann zu raschem Gewichtsverlust und mehr Energie führen und sogar Allergien und andere Reaktionen des Immunsystems beenden. […] Und Ihnen wird es genauso gehen.“ (Seite 62)

 

Djokovic hat auch, angeblich durch das Weglassen von Gluten, Gewicht abgenommen. Liest man das Buch genau, so kommt man zum Schluss, dass er seine Ernährung grundsätzlich umgestellt hat. Dazu zählt zum Beispiel Kohlehydrate eher am Morgen, Eiweiß am Abend zu essen, keinen Zucker (außer Fructose in großen Mengen), keine Milchprodukte und keine Nahrung die den Blutzucker schnell erhöht zu verzehren, die Gabel nach jedem Bissen weglegen, weniger Kalorien und mehr Gemüse essen. All das zusammen, auch ohne glutenfreie Ernährung, hätte wohl eine Gewichtsabnahme zur Folge, würde ich vermuten. Und all das wird beim Leser, der sich danach richtet, eine Verbesserung hervorrufen, so er sich vorher ungesünder ernährt hat. Doch das hat per se nichts mit Gluten zu tun!

Djokovic rät wie erwähnt zu hoher Fructoseaufnahme, da Fructose im Gegensatz zu Glukose oder Saccharose ein gesunder Zucker sei, und er rät zu hohem Fleischkonsum (2-mal täglich!), was ich beides auch nicht unterschreiben würde. Fructose in solchen Mengen (viel Obst, Honig und 1 Liter Energydrink mit Fructose gesüßt pro Tag (!)) ist auch für normale Menschen ungesund (Stichwort Fettleber, Stichwort USA) und zu hoher Fleischkonsum erhöht erwiesenermaßen das Krebsrisiko.

Das Buch ruft zur Selbstdiagnose auf, auch das finde ich nicht gut. Wenn man den Verdacht hat, etwas nicht zu vertragen oder eine Intoleranz zu haben, dann sollte man unbedingt zum Arzt gehen und keine Selbstversuche machen! Eine Empfehlung die wir immer geben und die auch von den Diätologen- und Medizinierverbänden gegeben wird.

Am Ende wird es dann ganz wild. Djokovic erzählt von einem Forscher, der auf zwei Gläser Wasser Gedankenenergie (!) lenkte, einmal positive, einmal negative. Das Glas Wasser mit der negativen Gedankenenergie wurde nach einigen Tagen grün, das andere war immer noch kristallklar. (Persönliche Anmerkung: Ich liebe es ja ganz besonders, wenn man solche Erzählungen mit „ein Forscher“ beginnt. Das lässt das unwissenschaftliche danach dann immer so wissenschaftlich aussehen). Ich persönlich mag es nicht, wenn Autoren solche Dinge schreiben und dann an anderen Stellen naturwissenschaftliche Arbeiten zitieren. Diese Argumentationsmethode ist mir zu manipulativ.

Ich war und bin ein großer Tennisfan und ich verneige mich vor der sportlichen Leistung und dem Kampfgeist von Novak Djokovic. Aber in meiner Funktion als Journalist und Redakteur am nmi-Portal habe ich eine Pflicht, und zwar die Pflicht von Büchern abzuraten, die Betroffenen keinen Mehrwert, sondern unvollständige und leider missverständliche Informationen liefern.

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Fazit: Gluten wegzulassen soll das Allheilmittel für jedermann sein. Auch wenn andere Rezensenten das nicht so sehen, so muss ich doch klar darauf hinweisen, dass das Buch nach meiner Ansicht nicht zu empfehlen ist. Außer man ist Tennisfan und will mehr über Djokovic erfahren. Aber zur Verwendung als Information für Intoleranzen oder als Ernährungsratgeber muss ich aus journalistischer Sorgfaltspflicht abraten.