Viele Menschen mit Verdacht auf Histaminintoleranz haben bereits Laborbefunde in der Hand – und trotzdem mehr Fragen als Antworten. Oder sie haben Messwerte von Heilpraktiker:innen und Ärzt:innen bekommen und wissen nicht, was das nun bedeutet. DAO zu niedrig? Histamin normal? IgG hoch? Was bedeutet das nun wirklich – und was nicht?
Dieser Beitrag erklärt die wichtigsten Laborwerte verständlich, ordnet sie wissenschaftlich ein und zeigt, welche Untersuchung sinnvoll ist – und welche nicht.
Warum Laborwerte bei Intoleranzen oft verwirren
Nahrungsmittel-Intoleranzen sind funktionelle Störungen, keine klassischen Allergien. Laktose- und Fruzktoseintoleranz lassen sich über spezifische Tests, sogenannte H2-Atemtetsts, relativ leicht diagnostizieren. Doch Histaminintoleranz in anders.
- Es gibt keinen einzelnen Marker, der eine Diagnose beweist
- Viele Werte die gemessen werden sind Momentaufnahmen, ohne diagnostische Relevanz
- Symptome entstehen häufig im Zusammenspiel von Darm, Enzymen, Nervensystem und Lebensstil
Merksatz: Laborwerte können Hinweise liefern, ersetzen aber keine strukturierte Anamnese und Selbstbeobachtung.
Die wichtigsten Laboruntersuchungen im Überblick
1. DAO (Diaminoxidase)
Was ist DAO?
DAO ist ein Enzym, das Histamin im Darm abbaut. Eine verminderte Aktivität kann dazu führen, dass Histamin aus der Nahrung schlechter abgebaut wird.
Was wird gemessen?
Meist die DAO-Aktivität im Serum (Blut).
Typische Referenzbereiche (laborabhängig):
- 10 U/ml: meist unauffällig
- 3–10 U/ml: Graubereich
- < 3 U/ml: deutlich erniedrigt
Was sagt der Wert aus?
- Ein niedriger DAO-Wert kann eine Histaminproblematik unterstützen
- Ein normaler Wert schließt Beschwerden nicht aus
Wichtige Einschränkungen:
- DAO im Blut hat nichts zu tun mit DAO im Darm
- Medikamente (z. B. NSAR, Antidepressiva), Alkohol, Zyklusphase beeinflussen den Wert
- Akute Entzündungen können Ergebnisse verfälschen
DAO ist ein schwacher Hinweis, absolut kein Beweis für oder gegen Histaminintoleranz
2. Histamin im Blut
Was wird gemessen?
Freies Histamin im Plasma oder Serum.
Warum dieser Wert problematisch ist:
- Histamin wird sehr schnell abgebaut.
- Der Spiegel schwankt stark.
- Stress, Tageszeit und sogar die Blutabnahme selbst beeinflussen den Wert.
Interpretation:
- Ein erhöhter Wert kann bei akuten Reaktionen auftreten
- Ein normaler Wert sagt wenig bis nichts über die Histaminverträglichkeit im Alltag aus
Histamin im Blut ist für die Diagnose nicht relevant.
2a. Histamin im Urin oder Stuhl
Neben Blutuntersuchungen bieten manche Labore auch Messungen von Histamin oder Histaminabbauprodukten im Urin oder Stuhl an.
Warum auch diese Werte absolut nicht aussagekräftig sind:
- Die Ergebnisse hängen stark von Zeitpunkt, letzter Mahlzeit und Darmaktivität ab
- Eine erhöhte Ausscheidung kann viele Ursachen haben (z. B. Stress, Infekte, Medikamente …)
- Es gibt keine klar validierten Grenzwerte für eine Histaminintoleranz
Einordnung: Diese Tests sind nicht geeignet, um eine Histaminintoleranz zu bestätigen oder auszuschließen.
3. IgG-Tests auf Lebensmittel
Was wird gemessen?
IgG-Antikörper gegen bestimmte Nahrungsmittel.
Warum diese Tests problematisch sind: Viele Labore bewerben IgG-Tests als „Unverträglichkeitstests“, doch dafür gibt es keine belastbare wissenschaftliche Grundlage.
Was IgG tatsächlich zeigt:
- Kontakt des Immunsystems mit einem Lebensmittel
- Häufig verzehrte Lebensmittel → häufig höhere IgG-Werte
Was IgG NICHT zeigt:
- Keine Intoleranz
- Keine Ursache für Beschwerden
- Keine Allergie
IgG zeigt, was man gegessen hat – nicht, was man nicht verträgt.
Wann lohnt sich welche Untersuchung?
Sinnvoll können sein:
- Ergänzende Laborwerte (je nach Situation):
- Entzündungsmarker
- Eisenstatus
- Vitamin B6 und Kupfer (relevant für die DAO-Funktion)
- Abklärung von Mastzellerkrankungen, wenn:
- Symptome unabhängig von Mahlzeiten auftreten
- es zu Flush, Kreislaufreaktionen, starken Blutdruckschwankungen oder wiederholten anaphylaktoiden Reaktionen kommt
- mehrere Organsysteme gleichzeitig betroffen sind
Kritisch zu bewerten sind:
- Einzelne Histamin-Messungen ohne klinischen Kontext
- Große IgG-Panels zur Diätsteuerung
- Wiederholte Tests ohne neue Fragestellung
Fazit
- Es gibt keine Laborwerte, die für die Diagnose der HIT eindeutig sind
- Manche Laborwerte können Orientierung geben. Sie sollten nicht isoliert interpretiert werden.
- Je einfacher ein Testergebnis klingt, desto skeptischer sollte man sein
Entscheidend ist nicht der einzelne Wert – sondern der Zusammenhang. Und dafür ist ein Symptomtagebuch das Wichtigste Mittel der Diagnose!
