Histaminintoleranz – was ist das?
Letzte Aktualisierung am 3. März 2026 von Dr. Michael Zechmann-Khreis
Histaminintoleranz – Definition
Histaminintoleranz ist eine nicht-allergische Nahrungsmittelunverträglichkeit, bei der aufgenommene biogene Amine (z.B. Histamin, Tyramin) im Körper nicht ausreichend abgebaut werden. Ursache ist meist eine verminderte Aktivität des Enzyms Diaminoxidase (DAO). Auch die Histamin-N-Methyltransferase (HNMT) kann beteiligt sein. Typische Symptome betreffen Magen-Darm-Trakt, Haut und Kreislauf und treten einige Minuten bis maximal 4 Stunden nach dem Essen auf. (vgl. Reese et al.; 2021)
Ursachen der Histaminintoleranz
Die Ursachen sind nicht vollständig geklärt. Diskutiert werden folgende Mechanismen:
- Mangel an Nährstoffen: Kupfer und Vitamin B6 sind essenziell für die DAO-Funktion, während Vitamin C den Histaminabbau unterstützt.
- Verminderte DAO-Aktivität: Ein Mangel an DAO, häufig verursacht durch Darmschädigungen, kann dazu führen, dass Histamin nicht ausreichend abgebaut wird.
- Erhöhte Histaminaufnahme: Histaminreiche Lebensmittel wie reifer Käse, Wein oder fermentierte Produkte können Symptome verstärken.
- Darmbakterien: Bestimmte Bakterien im Darm können Histamin selbst produzieren und so zur Symptomatik beitragen.
- HNMT-Hemmung: HNMT reguliert Histamin innerhalb der Zellen. Gibt es hier eine Störung, so kann es zu einer schleichenden Histaminansammlung kommen.
Was genau ist diese HIT nun?
Die Histaminintoleranz, eine Reaktion des Körpers auf biogene Amine, kann man in mehrere Kategorien einordnen. Sie wird in der wissenschaftlichen Literatur einerseits als Pseudoallergie geführt, andererseits als Enzymopathie oder toxische Reaktion. (Komericki et al., 2011; Zechmann-Khreis, M., 2025; Reese et al., 2021) In der folgenden grafischen Übersicht ist dies dargestellt:
(Zechmann-Khreis, M; 2025)
Symptome der Histaminintoleranz
| Bereich | Typische Symptome |
|---|---|
| Magen-Darm-Trakt | Blähungen, Durchfall |
| Haut | Flush, Juckreiz |
| Kreislauf | Schwindel, Herzklopfen |
Eine genaue Auflistung und Einordnung der Symptome findest du hier in diesem Artikel.
Häufigkeit der Histaminintoleranz
Die Histaminintoleranz tritt bei ca. 1–3 % der Bevölkerung auf. Nach einer Studie des nmi-Portals ist die Dunkelziffer jedoch sehr hoch, d. h., es sind vermutlich mehr Personen davon betroffen. Laut einer Studie von Jarisch sind zirka 80 % der Betroffenen Frauen, die meisten davon ab dem 40. Lebensjahr. In der Umfrage des nmi-Portals konnte diese Tendenz nicht verifiziert werden.
DAO und Schwangerschaft
Frauen berichten immer wieder, dass ihre Histaminintoleranz während der Schwangerschaft verschwindet und nach der Geburt wieder auftaucht. Das liegt daran, dass DAO von Schwangeren in sehr großem Ausmaß gebildet wird. Die DAO wird hier vermehrt in den Blutkreislauf abgegeben, um das Kind vor möglichen Histaminüberschüssen zu schützen. (Velicky, P; 2018)
Abgrenzung zu anderen Erkrankungen
Die Histaminintoleranz wird oft mit anderen Erkrankungen verwechselt, darunter:
- Vagusnerv-Störungen: Da der Vagusnerv zahlreiche Körperfunktionen reguliert, können seine Symptome denen der Histaminintoleranz stark ähneln.
- Lebensmittelvergiftungen: Eine übermäßige Aufnahme von biogenen Aminen kann akute Vergiftungserscheinungen hervorrufen.
- Mastzellaktivierungssyndrom (MCAS): Hier führt eine übermäßige Histaminausschüttung durch Mastzellen zu ähnlichen Symptomen.
- Nahrungsmittelallergien: Diese werden durch das Immunsystem vermittelt und müssen diagnostisch ausgeschlossen werden.
Behandlung und Therapie
- Ernährungsanpassung: histaminarme Diät, am besten nach dem 3-Phasen-Modell
- Enzymtherapie: Einnahme von DAO-Präparaten kann helfen, Histamin abzubauen. Auch H1-Antihistaminika können unterstützend eingesetzt werden.
- Nährstoffversorgung optimieren: Supplementierung von Vitamin C, B6 und Kupfer kann die Enzymaktivität unterstützen.
- Stressmanagement: Chronischer Stress kann das Gleichgewicht des autonomen Nervensystems stören und Symptome verstärken. Atemübungen, Meditation und moderate Bewegung können helfen.
Mehr Informationen über die Therapie der Histaminintoleranz findest du in unserer Rubrik „Therapie“.
Histaminintoleranz ist eine komplexe Unverträglichkeit, die durch verschiedene Mechanismen ausgelöst wird. Eine individuelle Ernährungsstrategie, gezielte Nährstoffzufuhr und das Vermeiden von Triggerfaktoren können helfen, die Symptome zu lindern. Eine professionelle Diagnose und Betreuung durch Ärzte und Ärztinnen oder Ernährungsberater*innen ist empfehlenswert, um andere Erkrankungen auszuschließen und die richtige Behandlung einzuleiten.
Wissenschaftliche Einordnung
- Histamin ist ein biogenes Amin.
Biogene Amine werden über DAO und HNMT abgebaut.- Nicht nur Histamin spielt eine Rolle, sondern auch andere biogene Amine.
- Die Evidenzlage zur Histaminintoleranz ist heterogen.
- Es existieren keine international einheitlichen Diagnosekriterien.
FAQ zur Histaminintoleranz
Histaminintoleranz ist eine nicht-allergische Nahrungsmittelunverträglichkeit, bei der aufgenommenes Histamin sowie andere biogene Amine im Körper nicht ausreichend abgebaut werden. Ursache ist meist eine verminderte Aktivität des Enzyms Diaminoxidase (DAO), das Histamin im Darm abbaut. Die Folge sind unspezifische Beschwerden wie Magen-Darm-Probleme, Hautreaktionen oder Kreislaufsymptome.
Nein. Eine Histaminintoleranz ist keine klassische IgE-vermittelte Allergie. Bei einer Allergie reagiert das Immunsystem auf ein Allergen. Bei der Histaminintoleranz entsteht das Problem durch ein Ungleichgewicht zwischen aufgenommenem Histamin und dessen Abbau im Körper.
Es existiert kein einzelner, eindeutig validierter Labortest zur sicheren Diagnose. Die Diagnose erfolgt in der Praxis meist über eine strukturierte Anamnese, eine zeitlich begrenzte Eliminationsdiät und eine kontrollierte Wiedereinführung histaminreicher Lebensmittel. Laborwerte wie die DAO-Aktivität können Hinweise geben, sind jedoch allein nicht beweisend.
Die Diaminoxidase (DAO) ist ein Enzym im Dünndarm, das aufgenommenes Histamin abbaut. Ist die Aktivität vermindert, kann Histamin in den Blutkreislauf gelangen und Symptome auslösen. Die Höhe der gemessenen DAO-Aktivität korreliert jedoch nicht immer eindeutig mit der Symptomstärke.
Biogene Amine wie Histamin oder Tyramin entsteht vor allem durch Reifung, Fermentation oder längere Lagerung. Typische histaminreiche Lebensmittel sind:
Gereifter Käse
Geräuchertes oder fermentiertes Fleisch
Sauerkraut
Fischkonserven
Alkoholische Getränke, insbesondere Rotwein
Die individuelle Verträglichkeit kann stark variieren.
Die Symptome sind vielfältig und unspezifisch. Typische Beschwerden betreffen:
Magen-Darm-Trakt: Blähungen, Bauchschmerzen, Durchfall
Haut: Flush, Juckreiz, Nesselsucht
Kreislauf: Schwindel, Herzklopfen
Allgemein: Kopfschmerzen, Müdigkeit
Die Beschwerden treten häufig zeitlich verzögert nach dem Verzehr histaminreicher Lebensmittel auf.
Quellen
Zechmann-Khreis, M. „Histaminintoleranz verstehen & meistern“; MZK Verlag; 2025
P. Velicky, K. Windsperger, K. Petroczi, S. Pils, B. Reiter, T. Weiss, S. Vondra, R. Ristl, S. Dekan, C. Fiala, D. E. Cantonwine, T. F. McElrath, B. Jilma, M. Knöfler, T. Boehm, J. Pollheimer: Pregnancy-associated diamine oxidase originates from extravillous trophoblasts and is decreased in early-onset preeclampsia. In: Scientific Reports. Band 8, Nr. 1, 20. April 2018, doi:10.1038/s41598-018-24652-0.
Komericki, P., Klein, G., Reider, N., Hawranek, T., Strimitzer, T., Lang, R., Kranzelbinder, B., & Aberer, W. (2011). Histamine intolerance: Lack of reproducibility of single symptoms by oral provocation with histamine: A randomised, double-blind, placebo-controlled cross-over study. Wiener klinische Wochenschrift, 123(1–2), 15–20. https://doi.org/10.1007/s00508-010-1506-y
Reese, I., Ballmer-Weber, B., Beyer, K., Dölle-Bierke, S., Kleine-Tebbe, J., Klimek, L., Lämmel, S., Lepp, U., Saloga, J., Schäfer, C., Szépfalusi, Z., Treudler, R., Werfel, T., Zuberbier, T., & Worm, M. (2021). Leitlinie zum Vorgehen bei Verdacht auf Unverträglichkeit gegenüber oral aufgenommenem Histamin. Allergologie, 44(10), 761–772. https://doi.org/10.5414/ALX02269
Sattler, J; Hafner, D; Klotter, HJ; et.al; „Food-induced histaminosis under diamine oxidase (DAO) blockade in pigs: Further evidence of the key role of elevated plasma histamine levels as demonstrated by successful prophylaxis with antihistamines„; Agents and Actions; Volume 27, Numbers 1-2 / April 1989
