Häufige Fragen zur Laktoseintoleranz

Ist Milchsäure bei Laktoseintoleranz geeignet?

Ja, ist sie. Milchsäure hat weder mit Milchzucker, noch mit Milcheiweiß etwas zu tun. Es ist einfach eine Säure, die man so genannt hat, weil sie entsteht, wenn Milch durch bakterielle Gärung sauer wird. Die Bakterien wandeln dabei den Milchzucker um. Industriell stellt man sie durch bakterielle Gärung auf anderen Zuckerlösungen her, d.h. Milchsäure ist nicht nur laktosefrei, sie ist sogar meistens vegan. Ihre E-Nummer lautet E 270. Weil diese Zutat auf einer Zutatenliste steht, musst du also keine Bedenken haben.

Rohmilch ist bei Laktoseintoleranz verträglich

Das ist falsch. Es wird immer wieder gesagt, die Bakterien in Rohmlich, also unpasteurisierter Milch, würden die Laktose aufspalten, daher sei die Rohmlich bei Laktoseintoleranz verträglich. Das ist nicht richtig, wie eine Studie aus dem Jahr 20145) zeigt, ist Rohmlich gleich unverträglich wie pasteurisierte Milch.

Statt Kuhmilch kann man Schaf- oder Ziegenmilch trinken

Das ist falsch. Der Gehalt an Laktose ist bei all diesen Milcharten ungefähr gleich! Siehe Tabelle laktosefreier Produkte

Die einzigen bekannten Tiermilcharten die keine oder sehr wenig Laktose enthalten, sind die Milch der Seelöwen und der Seehunde. Die Milch der Seelöwen ist laktosefrei, die der Seehunde enthält sehr geringe Mengen.4)

Laktoseintoleranz ist verantwortlich für Depressionen

75% der Menschen mit Laktoseintoleranz haben auch eine Fruktosemalabsorption, die, wenn sie unbehandelt bleibt, für depressive Verstimmungen verantwortlich zeichnen kann. Man konnte zeigen, dass Personen mit solchen Mehrfachintoleranzen eine deutlich höhere Depressionsquote aufweisen3).

Bei Laktoseintoleranz kann man überhaupt keine Milchprodukte mehr essen

Das ist falsch. Nicht jedes Milchprodukt hat ausreichend Laktose, um Beschwerden hervor zu rufen. Ausserdem gibt es Lactase-Tabletten mit denen man sogar einen Sahnekuchen essen kann.

Wer laktoseintolerant ist bekommt Osteoporose

Hier gibt es verschiedene Untersuchungen. Es scheint so zu sein, dass Menschen die nur an Laktoseintoleranz leiden tatsächlich mit höherer Wahrscheinlichkeit an Osteoporose erkanken. Menschen die auch eine zweite Unverträglichkeit haben, z.B. Fruktosemalabsorption, erkranken mit der gleichen Wahrscheinlichkeit an Osteoporose wie Menschen ohne jede Unverträglichkeit. Auf jeden Fall gilt: Alternative Kalziumquellen verwenden und Vorsorgeuntersuchungen machen!

Asiaten vertragen keine Milch

Etwa 90% der asiatischen Bevölkerung haben eine primäre Laktoseintoleranz. Diese kann reversibel sein und ist kulturell und sozial unterschiedlich ausgeprägt1). Einige an sich laktoseintolerante Völker verwenden Milchprodukte. Diese sind aber meistens auf Grund der Herstellung laktosefrei!

Laktoseintoleranz kann wieder verschwinden

Das stimmt zum Teil. Es hängt davon ab an welcher Form man "erkrankt" ist. Die sekundäre Form, die z.B. durch einen durch Antibiotika geschädigten Darm entstehen kann, ist reversibel. Hat man die primäre Form, die auf eine Genmutation zurück zu führen ist, so ist keine "Heilung" in Aussicht.

Medikamente mit Laktose sind nicht verträglich

Das stimmt nur teilweise. Es kommt immer darauf an wieviel Laktose enthalten ist und wieviele Tabletten man einnehmen muss. Dies ist aber am Beipackzettel vermerkt. Man sollte dies immer mit dem Arzt absprechen und auch bei jedem Arztbesuch erneut auf die Laktoseintoleranz hinweisen, sowie immer nachfragen, ob es eine laktosefreie Alternative gibt! Gehe nicht davon aus, dass dein Arzt selbstständig darauf achtet!

 

Quellen u.a.:
1) nmi-Portal (Mag. Dr. Michael Zechmann)
2) Ledochowski M., Bair H., Fuchs D., "Lactoseintoleranz",  J Ernährungsmed 2003; 5(1): 7–14.
3) Ledochowski M., "Laktoseintoleranz und Milchunverträglichkeiten", 2. Auflage, Akadmed-Verlag, 2011, p.47
4) King J.E., 1983: "Seals of the world", Oxford Universitv Press
5) Mummah S et al., "Effect of Raw Milk on Lactose Intolerance: A Randomized Controlled Pilot Study", Ann Fam Med 2014; 12 (2): 134-141