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Fruktoseintoleranz: Keine Böhnchen, keine Tönchen?

Jedes Böhnchen ein Tönchen

Um diese Frage zu beantworten, müssen wir uns zunächst anschauen warum manche Nahrungsmittel, wie Hülsenfrüchte überhaupt blähen. Die Ursache sind sogenannte Oligosaccharide, also längerkettige Kohlenhydrate wie z.B. Raffinose, Verbaskose oder Stachyose. Diese langkettigen Zucker können von unserem Verdauungssystem nicht aufgespalten werden und wandern daher in den Dickdarm. Dort werden sie entweder unverdaut ausgeschieden oder von Bakterien als Nahrung verwertet. Daher gilt z.B. die Raffinose sogar bei der hereditären Fruktoseintoleranz als unproblematisch1). Die Bakterien im Darm produzieren aus der Raffinose unter anderem Gase - mit den bekannten, übelriechenden Folgen.
Dieser Vorgang ist vollkommen normal. Wenn man Bohnen isst, dann bekommt man Blähungen. Das ist weder ein Symptom für irgendwas, noch schadet es uns. Im Gegenteil.

Blähungen sind eine normale Körperfunktion

Blähungen sind im weitesten Sinne sogar gesund. Denn die Bakterien im Darm, die wir ja dringend benötigen, brauchen solche Zucker wie die Raffinose als Nahrungsgrundlage. Daher finden sich solche Kohlenhydrate auch immer in Pro- und Präbiotika. Die sind darin nicht aus Jux und Tollerei enthalten, sondern weil sie die perfekte Nahrung für die „guten“ Darmbakterien sind. Diese so wichtigen Bakterien in unserem Darm sollten wir hegen und pflegen und dazu gehört auch, dass man sie manchmal füttert.

Auch bei Fruktoseintoleranz gut?

Bohnen Fotolia maríamarmarWir wollten ja herausfinden, warum empfohlen wird, bei Fruktoseintoleranz auf diese Nahrungsmittel zu verzichten. Ich vermute, dass es daran liegt, dass die Expertenempfehlung lautet, in der Karenzphase vollkommen auf blähende Nahrungsmittel zu verzichten. Der Grund ist klar: Wenn man durch die Fruktoseintoleranz (oder andere Intoleranzen) schon geschwächt ist und bereits Blähungen hat, dann sollte man den Darm schonen und nicht noch zusätzlich durch blähende Nahrungsmittel „Chaos stiften“. In der Karenzphase und am Anfang der Testzeit also auf blähende Nahrungsmittel zu verzichten, ergibt durchaus Sinn.

Aber in der Dauerernährung sollte man das aus den oben genannten Gründen sein lassen. Hier darf man durchaus hin und wieder z.B. Bohnen und andere Hülsenfrüchte essen, sich aber im Klaren sein, dass die darauf folgenden Blähungen keine Symptome, sondern ein normaler physiologischer Vorgang sind.

Aber Bohnen haben doch viel Fruktose?

Nun könnte man einwerfen, dass Bohnen viel Fruktose beinhalten und deshalb sowieso nicht bei Fruktosemalabsorption verzehrt werden sollten. Ein kurzer Blick in unsere Datenbank nmidb.de zeigt aber, dass Bohnen gar nicht so viel Fruktose enthalten wie man vermuten möchte. Limabohnen sind mit nur etwa 0,5g Fruktose pro 100g sogar relativ fruktosearm. Bohnen sind also bezüglich FI gut verträglich.
Aber nochmal: Blähungen wird man bekommen. Das ist auch gut so, aber kein Symptom der Fruktoseintoleranz.

Das Fazit ist recht eindeutig: Die Empfehlung, bei intestinaler Fruktoseintoleranz auf Hülsenfrüchte zu verzichten gilt nur für die Karenzphase und den Anfang der Testphase. In der Dauerernährung wäre es sogar sinnvoll, hin und wieder ein abdominales Trompetenkonzert zu veranstalten.

 

Quellen
1) Karall D. et al in Ledochowski, Klinische Ernährungsmedizin; p884f
Bild: Fotolia.de / maríamarmar

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