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In der Regel wollen Frauen Schokolade

Ich laufe schon wieder zum Kühlschrank. Reiße die Tür auf, starre hinein. Knalle die Tür frustriert wieder zu. Zum dritten Mal innerhalb der letzten 30 Minuten. Nicht, dass ich wirklich Hunger hätte. Vielmehr scheint ein kleines Fressmonster auf meiner Schulter zu sitzen und mir ständig mit diabolischer Stimme ins Ohr zu flüstern: „Schokolade. Du willst jetzt Schokolade.“ Nur daraus wird nichts. Die Süßigkeitenschublade habe ich zu Beginn des Experiments leergeräumt, mein Lebensmittelvorrat besteht hauptsächlich aus Gemüse, Milchprodukten und etwas Fleisch.

Es ist schon seltsam, dass mich gerade jetzt, nach immerhin 40 Tagen beinahe gänzlich zuckerfreier Ernährung eine scheinbare unstillbare Gier nach Schokolade überfällt. Genau genommen gelüstet es mich nicht nur nach Süßem. Wenn ich meinen inneren Schweinehund ließe, würde ich jetzt wohl wahllos irgendwas in mich hineinstopfen. Eine Pizza wäre jetzt die Erfüllung. Oder ein großer Teller fetttriefender Spagetti Carbonara. Ich ziehe die Reißleine, werfe dem Kühlschrank einen letzten hasserfüllten Blick zu und schnappe mir die Turnschuhe. Nach einem Spaziergang in ziemlich ambitioniertem Tempo – mein armer Hund liegt nun völlig erledigt unter dem Schreibtisch – und einem Liter Brennesseltee als Ersatzbefriedigung sinniere ich über diese seltsamen Gelüste nach. Ein Blick auf den Kalender bringt Erleuchtung ins Dunkel meiner hungrigen Seele: Noch drei Tage bis zur Periode. Danke liebes Hormonsystem. Ich liebe es, eine Frau zu sein. Nicht.

Hormone machen hungrig

Schokolade - Fotolia.de | Urheber by-studioDie weiblichen Leserinnen dieser Zeilen wissen natürlich, wovon ich hier schreibe. Für alle anderen hier eine kurze Erläuterung: Viele Frauen verspüren zu einem bestimmten Zeitpunkt ihres Zyklus ein verstärktes Hungergefühl. Bei einigen passiert das einige Tage vor der Periode. Andere sind während der Blutung selbst besonders hungrig. Und manche wenige sind davor ganz gefeit. Meine Gynäkologin bestätigt meine Vermutung: „Schuld“ daran sind Veränderungen im Hormonhaushalt: In den Tagen vor den Tagen sinkt der Östrogen- und der Progesteronspiegel, auch das so genannte „Glückshormon“ Serotonin ist weniger vorhanden als sonst. Die entsprechenden Rezeptoren melden sich dann also zu Wort. Der Körper sehnt sich süßen, fettigen Lebensmittel wie Schokolade. Denn diese sorgt für die Aufnahme der α-Aminosäure Tryptophan. Was wiederum zu mehr Serotonin im Körper führt. Sehr vereinfacht gesagt: Schokolade macht uns in den Tagen vor der Periode besonders glücklich. Das ist leider auch keine besonders gute Ausrede für eine prämenstruelle Schoko-Orgie. Denn Sojabohnen und Cashewkerne enthalten sogar noch mehr Tryptophan als das in der Schokolade enthaltene Kakaopulver.

Das Periodenmonster zähmen

Während der Monatsblutung selbst ist die Ursache für Heißhungerattacken oft ein Magnesiummangel. Wird der mit Hilfe von stark magnesiumhaltigen Lebensmitteln oder Ergänzungspräparaten ausgeglichen, verschwinden das ständige Hungergefühl oft wie von selbst. Magnesiumpräparate haben einen weiteren Vorteil: Dank den beruhigenden Effekt auf die glatten Muskeln des Körpers – und die Gebärmuttermuskulatur ist eine ebensolche – können Krämpfe und Schmerzen gelindert werden. Eure Gynäkologin oder der Apotheker eures Vertrauens sind euch bei der Wahl des richtigen Produktes sicher behilflich. Was mir persönlich sehr hilft das monatliche Hungermonster zu zähmen, ist zu wissen dass und wann es mir wieder einen Besuch abstatten wird. Denn wenn ich verstehe, warum mein Körper was macht, kann ich besser damit umgehen.

Bei einer akuten Heißhungerattacke greife ich auch gerne mal zu einem Stück frischem Ingwer oder mische etwas Zimt in mein Essen. Ich finde, der wohlig-warme, würzige Geschmack ist ein echter Seelenstreichler. Auch eine Idee: Ein hübsches Bad in duftigen Schaumbergen einer Vanillebadekugel. Und wenn gar nichts anderes mehr hilft: Ein Stück Bitterschokolade. Das enthält neben dem bereits erwähnten Magnesium pro Stück absolut vertretbare 0,7 Gramm Zucker.

Wie sieht es mit euren Heißhungermonstern aus? Welche Tricks habt ihr während der Tage auf Lager? Ich freue mich auf eure Kommentare und Nachrichten – ganz einfach mit dem Hashtag #zucker90!

Eure Anna-Maria

Ärztliche Beratung: Dr. med. Maria Riedhart-Huter

 

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© Bild: Fotolia.de | Urheber by-studio

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Saftige Zuckerbomben
Erdbeermarmelade ohne Zucker
 

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