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Reizdarmsyndrom (RDS) oder Nahrungsmittel-Intoleranz (NMI)?

Ein Gastkommentar von Genny Masterman

Am Wochenende des 7. Juli war ich bei einem sehr interessanten Ärzte-Patienten Seminar in Erlangen.  Dort wurde unter anderem sehr stark das Thema des Reizdarmsyndroms (RDS) besprochen. Hier stach ganz besonders der Vortrag des Prof. Dr. Peter Konturek heraus.

Die Diagnose RDS wird oft gestellt wenn alle durchgeführten Untersuchungen zu keinem anderen diagnostischen Ergebnis führen. Unter Umständen wird nicht eingehend untersucht, und dem Patienten unterbreitet, dass der Grund für den Reizdarm psychisch ist, und auch eine psychische Behandlung mit Antidepressiva vorgeschlagen.  Da uns einige Fälle bekannt sind wo Patienten jahrelang mit der Diagnose des Reizdarmsyndroms behaftet waren und erst viel später, und nach langen Leidensweg, zu einer konkreten, erfolgreichen Behandlung nach einer Diagnose mit einer Nahrungsmittelintoleranz (NMI) kamen, möchte ich nun auch ein paar interessante Daten aus diesem Vortrag in diesen Blog einfließen lassen.

Das Reizdarmsyndrom wird als weit verbreitete gastrointestinale Erkrankung gesehen, wobei bei den klinischen Symptomen, sehr ähnlich zu vielen Nahrungsmittelintoleranzen, folgende Symptome die Hauptrolle einnehmen:

  • Stuhlunregelmäßigkeiten
  • Durchfall
  • Verstopfung, oder eine Kombination davon
  • Bauchschmerzen
  • Blähungen

Uniklinik Erlangen EingangBei Verdacht auf Reizdarmsyndrom ist eine Differentialdiagnose äußerst wichtig. Entscheidend ist eine Anamnese (im Volksmund auch Krankengeschichte genannt), ob Muster und das Ausmaß der Beschwerden überhaupt mit RDS vereinbar sind. Dafür muss sich der Arzt Zeit nehmen, da dies nicht zwischen zwei Telefonaten zu klären ist. Diese Differenzialdiagnose beinhaltet unter anderem auch eine Abklärung, ob der Patient eine NMI hat. Die Liste der abzuklärenden Erkrankungen die ähnliche Krankheitszeichen wie RDS haben, beinhaltet folgende:

  • Infektiöse Darmerkrankung
  • Sprue
  • Darmkrebs
  • Inkontinenz
  • Chron. Entzündliche Darmerkrankung
  • Nahrungsmittelintoleranz
  • Schilddrüsenüberfunktion
  • Bakterielle Fehlbesiedelung DD
  • Mikroskopische Colitis
  • Medikamente
  • Neuroendokriner Tumor

Organische Krankheiten müssen auf jeden Fall vorher ausgeschlossen werden.

Es  hat sich in den letzten Jahren gezeigt, dass bei vielen RDS-Patienten der Auslöser eine schwere Entzündung ist. Das nennt man ein postinfektionales RDS. Herr Prof. Konturek erwähnte hierzu in seinem Vortrag auch die Geschichte einer 4000 Einwohner Gemeinde in Kanada namens Walkerton. In dem ruhigen Städtchen kam es im Mai 2000 durch eine Überschwemmung zu einer Trinkwasserverseuchung mit Escheria Coli und Campylobacter. Über 2000 Menschen in dem Ort erlitten eine schwere Darmentzündung. 2 Jahre danach konnte man beobachten, dass etwa 35% der Betroffenen einen Reizdarm entwickelten. Mehr zu der Studie findest Du hier: The Walkerton Health Study

Man glaubt, dass es in Deutschland etwa 15% Patienten mit RDS gibt, wobei die meisten davon in der Altersgruppe zwischen 45-65 Jahren alt sein sollen. Dabei gibt es hier wiederum eine Unterscheidung zwischen denjenigen Patienten, die eine leichte, mittlere oder schwere Form der RDS haben, und von all diesen gehen nur 1% zu einem Spezialisten, der auch von diesem Thema etwas versteht, und bis zu sagenhaften 80% von ihnen werden nicht therapiert.

Es gibt für RDS – wie übrigens auch für Nahrungsmittelunverträglichkeiten – keine einheitliche Ernährungsempfehlung. Jeder von uns hat eine andere Kombination von Problemen.  Ein Patient mit der Diagnose RDS braucht, abgesehen von einer eventuellen medikamentösen und probiotischen Therapie, und möglicherweise psychotherapeutischer Unterstützung, eine individuelle auf ihn persönlich zugeschnittene Ernährungsberatung. Wie bei der NMI wird für jemanden mit RDS eine zusätzliche Anwendung von Ernährungsprotokollen unumgänglich sein, um zu einem erfolgreichen Resultat zu kommen. Hier müssen der Arzt, der Diätologe und der Patient zusammenarbeiten.

Solltest Du den Verdacht haben an RDS, einer NMI oder an einer Nahrungsmittelallergie zu leiden, lass Dich bitte zu einem dementsprechenden Spezialisten vom Hausarzt überweisen. Solltest Du die Diagnose RDS haben, und vermuten, dass Du unter einer NMI leidest, ohne diese bereits abgeklärt zu haben, lass Dich auch dementsprechend untersuchen.

Es ist in den meisten Fällen möglich eine ambulante Diagnose zu erstellen. Jedoch gibt es auch mehrere Fälle wo eine stationäre Aufnahme dringend nötig ist. Das gilt sowohl für die Diagnose von RDS, als auch für die Diagnose von Nahrungsmittelallergien und -unverträglichkeiten.

Die stationäre Aufnahme von Patienten mit Nahrungsmittelallergien und -unverträglichkeiten gestaltet sich sehr schwierig, da die Kosten für diese Patienten in Deutschland noch immer von den Kassen nicht getragen werden. Für eine mittlerweile höchstnotwendige Änderung setzen sich nun Prof. Dr. Raithel von der Uniklinik in Erlangen und der Verein zur Allergie- und Endoskopieforschung am Menschen e.V. (VAEM) ein. Solltest Du den Verein unterstützen wollen, dann kannst Du dort Mitglied werden, und dadurch eine zusätzliche Stimme abgeben. Somit kannst Du Prof. Raithel und dem Verein Rückendeckung geben,  um die Kassen und die Politik von der Wichtigkeit der Unterstützung für solche Patienten zu überzeugen.

(Redaktion: Die Listen in diesem Beitrag erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit)


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