Diagnose einer Unverträglichkeit mit H2-Atemtest
Der häufigste Diagnoseweg ist der H2-Atemtest der hier am Beispiel der Fruktose dargestellt wird. Der Test wird aber auch bei anderen Unverträglichkeiten eingesetzt.
Der Patient trinkt auf nüchternen Magen eine bestimmte Menge einer Testlösung. Anschließend pustet er in definierten Abständen in ein Messgerät, das den Wasserstoff (H2) Gehalt seiner Atemluft misst.
Wenn die Testsubstanz nicht richtig verstoffwechselt wird, produzieren Bakterien im Darm Wasserstoff, kurzkettige Fettsäuren und CO2. Der Wasserstoff gelangt ins Blut und wird dann über die Lunge ausgeatmet. Mit Hilfe dieses Wasserstoffs (der übrigens keine Symptome macht) ist es möglich die Intoleranz über den schmerzfreien Atemtest zu diagnostizieren.

Das obere Bild zeigt zwei Patienten. Person 1 (grün) hat keine Intoleranz auf den getesteten Stoff (Fruktose), Person 2 (rot) zeigt einen deutlichen Anstieg des Wasserstoffs und ist somit fruktoseintolerant. Der geringe Anstieg des H2 bei Person 1 ist normal, da auch beim gesunden Menschen Wasserstoff in geringen Mengen entsteht.
Neben den H2-Werten sind auch die Symptome die während des Tests auftreten wichtig zur Diagnose. Denn nicht jeder Mensch reagiert gleich und vor allem besitzen manche Menschen Bakterien, die keinen Wasserstoff produzieren, bzw. diesen verbrauchen und dabei Methan produzieren. Daher sollten nach neuesten Erkenntnissen auch der Methan-Gehalt der Atemluft gemessen werden. Treten jedoch starke Blähungen, Bauchkrämpfe, Durchfall, etc. während des Tests auf, ist eine Intoleranz ebenfalls sehr wahrscheinlich.
Außerdem kann der Arzt während der Messungen den Blutzuckerspiegel (außer bei Fructosetest) messen. Liegt eine Intoleranz vor, wird der getestete Zucker nicht ins Blut aufgenommen, wodurch der Blutzuckerspiegel gleich bleibt. Liegt hingegen keine Unverträglichkeit vor, so steigt der Blutzuckespiegel, da der Zucker in den Körper aufgenommen wird.
Vorbereitung auf den Test
Dein Arzt sollte dich vor dem Test genau beraten, damit ein aussagekräftiger Test durchgeführt werden kann. Hierzu gehört unter anderem:
- dass du nüchtern bist (ca 12 Stunden vorher nichts essen, nur Leitungswasser trinken; außerdem sollten man ca 24 Stunden vor dem Test nichts "schweres" mehr essen)
- dass du die Zähne an diesem Tag nicht geputzt hast (Dies ist nach einer neuen Untersuchung nicht notwendig, im Gegenteil, es wird empfohlen die Zähne zu putzen)
- dass du 12 Stunden vor und auch während dem Test nicht geraucht hast bzw. nicht rauchst
- Ausserdem darfst Du in den letzten 4 Wochen keine Darmspiegelung gehabt oder Antibiotika eingenommen haben!
- Am Tag des Tests kein Prothesenhaftmittel verwenden
H2-Atemtest - die Durchführung
- D
er Standardwert wird gemessen - Die Flüssigkeit wird getrunken
- im Abstand von 30min werden weitere Messungen vorgenommen
- wichtig ist, normal zu atmen, den Atem 10-20 Sekunden anzuhalten, dann langsames auspusten; kein schnelles ausatmen, kein tiefes Einatmen!
- nach ca 2 Stunden ist der Test vorbei
- etwaige Symptome (Durchfall, Bauchschmerzen, ...) sollten dem Arzt während dem Test mitgeteilt werden!
Praxis-Tipp:
Nimm dir den Tag Deines Test frei! Falls Du eine Unverträglichkeit hast, wirst Du an diesem Tag viel Zeit am WC verbringen und starke Beschwerden haben, da Du ja auf nüchternen Magen eine hohe Dosis des unverträglichen Lebensmittels zu Dir nimmst!
Dein Arzt sollte nach Möglichkeit über eine Blutuntersuchung noch weitere Blutwerte bestimmen (Folsäure, B12, Serumamylase, Lipase, Zink und Eisen)
Weitere Dosierungen beim H2-Atemtest
Wieviel Gramm sollten die bei dem Test in Wasser aufgelöst verabreicht werden?
Fructose - 25g (Achtung: früher hat man 50g verwendet. Diese Menge führte jedoch auch bei "gesunden" Menschen zu Symptomen)
Laktose - 25g
Glucose - 40-70g
Sorbit - 5-8g
Weiterführende Links
Quellen (u.a.):
Born Peter, World J Gastroenterol 2007 November 21;13(43): 5687-5691 "Carbohydrate malabsorption in patients with non-specific abdominal complaints"
NMI-Portal
Ledochowski, M.; Laktoseintoleranz und Milchunverträglichkeiten, 2.Auflage, Akadmed-Verlag, 2011; p.27f
Zechmann,M.; Masterman G., "Fruktoseintoleranz, Laktoseintoleranz und Histaminintoleranz: Erste Hilfe nach der Diagnose", Berenkamp Verlag, 1. Aufl 2012
Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, 12. Dezember 2012 17:59


