Allergien zählen heute zu den häufigsten und volkswirtschaftlich wichtigsten Erkrankungen Europas, insbesondere auch deshalb, weil Sie gerade Kinder, Jugendliche und Menschen im Berufsleben betreffen.
Neben den Allergien gewinnen immer mehr die Nahrungsmittelunverträglichkeiten (Nahrungsmittelintoleranzen) an Bedeutung.
Dies liegt u.a. daran, dass wir heute bessere diagnostische Möglichkeiten haben. Trotz allem gibt es auch Menschen die eine „falsche" Diagnose bekommen aufgrund „falscher" Diagnostik-Methoden. Dazu zählen Kinesiologie und auch die Bioresonanz. Es gibt viele Menschen welche als „Nahrungsmittelintolerant" betitelt werden, weil Sie sich den sog. IgG-Tests unterzogen haben.
Hierzu sei auf einen Ausschnitt aus dem Dt. Ärzteblatt (1) verwiesen:
„In letzter Zeit werden verstärkt nicht evaluierte Testmethoden für die Diagnostik einer Nahrungsmittelallergie (NMA) oder -Unverträglichkeit (NVU) angeboten. Dazu gehören auch Bestimmungen von IgG-Antikörpern gegen zahlreiche Nahrungsmittel. Die Kritik betrifft nicht unbedingt die Methodik der IgG-Bestimmung, sondern die unzulässige Interpretation, da eine IgG-Produktion gegenüber Nahrungsmittelproteinen zur normalen Immunantwort gehört und keinerlei Krankheitswert hat. Andere untaugliche Diagnoseverfahren mit Nahrungsmitteln sind Zytotoxizitätstests, Kinesiologie, Bioresonanz- und andere elektrische Verfahren (beispielsweise Elektroakupunktur). Eine seriöse und rationale Abklärung von NMA und -Unverträglichkeit beruht auf einer diagnostischen Pyramide aus Anamnese, Hauttests, IgE-Bestimmungen und spezialisierten Labortests (basophile Allergenstimulationstests). Positive Testergebnisse sind nur bei korrespondierenden Symptomen klinisch relevant. Bei unklarem Zusammenhang kann eine (kontrollierte) orale Provokation die Diagnose sichern. Dies gilt besonders für die seltenere, nicht immunologisch vermittelte Nahrungsmittelintoleranz gegenüber kleinen Molekülen, die durch Allergietests nicht diagnostiziert werden kann."
In anderern Publikationen wird ein Zusammenhang zwischen IgG vermittelten Nahrungsmittelallergien als Auslöser von Fibromyalgie-Beschwerden und der Einfluss einer Eliminationsdiät, festgestellt (2). Wenn man dieses Ergebnis in die Therapie der Fibromyalgie mit einbezieht, hat man nach mehreren Wochen eine Symptomreduktion von bis zu 50%.
Wem soll man jetzt glauben? Es hat durchaus Sinn anfangs alles kritisch zu betrachten. Das bedeutet aber nicht, dass man für „andere" Diagnoseverfahren nicht offen ist. Man sollte sie nur zum richtigen Zeitpunkt einsetzen. Das wiederrum bedarf einem großen Wissen in dieser Materie und sollte nicht auf die leichte Schulter genommen werden.
Formen der Nahrungsmittel-Allergien
Man unterscheidet heute zwischen Nahrungsmittelallergien, welche immunologisch und Nahrungsmittelunvertäglichkeiten welche nicht immunologisch vermittelt sind.
In der Allergologischen Praxis unterscheidet man vier Allergieklassen. Diese werden wie folgt eingeteilt:
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Vom sofort Typ (Typ I)
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vom zytotoxischen Typ (Typ II)
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vom immunkomplexbedingten Typ (Typ III)
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vom zellulär vermittelten Typ (Typ IV)
Nahrungsmittelintoleranzen unterscheidet man folgendermaßen:
Pseudoallergien:
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Enzymdefekte (z.B. Laktoseintoleranz)
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Irritation oder direkte Induktion der Prostaglandinsynthese (z.B. durch Sorbinsäure oder Glutamat)
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toxische oder vasoaktive Effekte (z.B. durch hohe Konzentrationen von Histamin/biogenen Aminen in bestimmten Fisch,- Käse- und Weinsorten)
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Mediatorfreisetzung durch Nahrungsmitteladditiva (z.B. Leukotrininduktion durch Salizylate und Benzoate)
Wichtig ist die Vorgehensweise
Üblicherweise steht am Anfang die Anamnese. Daraus erkennt der Therapeut welche Untersuchungen er anfangs einleiten soll. Es wäre fatal jetzt schon am Anfang einen Test zu veranlassen welcher einige hundert Euro übersteigt.
Der geschulte Therapeut erhebt mit gezielten Fragen eigentlich recht schnell einen Verdacht, den er dann durch die veranlassten Untersuchungen bestätigt.
Wenn dies fehlgeschlagen ist, muss der Therapeut seine Diagnose ergänzen oder verwerfen und nochmals anamnestisch vorgehen um neuere Untersuchungen zu veranlassen.
Wichtig dabei ist auch, dass ernsthafte Erkrankungen wie Morbus Crohn und/oder Colitis Ulcerosa, Zölliakie, Dickdarm-Ca (Dickdarmkrebs) und Infektionskrankheiten ausgeschlossen werden müssen. Dies wird meist im Vorfeld schon untersucht.
Wird dabei nichts oder besser gesagt nichts Aussagekräftiges gefunden, fällt das Augenmerk häufig auf die Nahrungsmittelunverträglichkeiten, als auf die Nahrungsmittelallergien. Letztere sind weitaus seltener als die Unverträglichkeiten.
Für einen Therapeuten ist es sinnvoll schematisch vorzugehen. Dies sollte dem Patienten auch erklärt werden.
Es hat keinen Sinn dem Patienten gleich am Anfang einen IgG Test zu empfehlen.
Wie schon gesagt: Am Anfang steht die Anamnese. Durch gezielte Fragen äußert der geschulte Therapeut seinen Verdacht und veranlasst dann seine Untersuchungen.
Wenn es sich um Nahrungsmittelunverträglichkeitsreaktionen handeln sollte, wobei man nur sehr schwer unterscheiden kann, ob es sich um eine echte Allergie oder Intoleranz handelt, dann ist es sinnvoll am Anfang die Antikörper bestimmter Nahrungsmittel der Klasse IgE zu untersuchen.
Hierbei nicht zu vergessen sind auch die Kreuzallerigen. Von einer Kreuzallergie (Kreuzreaktion) wird dann gesprochen, wenn IgE-Antikörper, die gegen ein bestimmtes Allergen in einer bestimmten Allergenquelle gerichtet sind, auch andere Allergene in anderen Allergenquellen erkennen können und somit auch bei Kontakt mit diesen anderen Allergenquellen eine allergische Reaktion auslösen können.
Es sollten auch die Verdauungsparameter wie die Pankreas-Elastase und auch die Gallensäuren bestimmt werden.
Wenn dies negativ ist, sollte man eine Histaminintoleranz denken und das DAO (Diaminoxidase) im Blut untersuchen lassen. Desweiteren kann man auch das Histamin im Urin bestimmen lassen und die Werte miteinander vergleichen.
Wenn auch hier das Ergebnis negativ sein sollte, muss man an eine andere Nahrungsmittelintoleranz denken.
Hierbei nehmen die Kohlenhydratintoleranzen eine besondere Rolle ein.
Man unterscheidet zwischen Laktosemalabsorption, Fruktosemalabsorption und Sorbitmalabsorption.
Um dies heraus zu finden gibt es den H2-Atem-Test.
Quellen:
(1) Deutsches Ärzteblatt, Jg. 102, Heft 27, 8. Juli 2005
(2) Mario Krause, „IgG vermittelte Nahrungsmittelallergie als Auslöser von Fibromyalgie-Beschwerden und der Einfluss einer Eliminationsdiät", Dissertation zum Erwerb des Doktorgrades der Medizin an der Medizinischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität zu München
(3) Gerhard Grevers (Herausgeber), Martin Röcken, "Taschenatlas Allergologie: Grundlagen, Diagnostik, Klinik"; Thieme Verlag; ISBN 978-3131175526
Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, 11. April 2012 09:45

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