Ärztliches Gespräch, Tastbefund im Halsbereich
Bestimmung der Schilddrüsenfunktion durch Laborproben.
Die Schilddrüsenhormone Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3) sowie das Steuerhormon TSH (Thyreoidea stimulierendes Hormon) erlauben meist eine ausreichende Beurteilung der Schilddrüsenfunktion.Um die Ursache mancher Schilddrüsenerkrankungen herauszufinden werden auch noch die Autoantikörper TPO, TG-AK, TRAK bestimmt.
Ergänzend wird auch noch das Thyreoglobulin, vor allem in der Nachsorge von Schilddrüsentumorpatienten, bestimmt.
Das Calcitonin ist bei einer ganz seltenen Tumorerkrankung der Schilddrüse von Bedeutung. Thyreoglobulin und Calcitonin sind ausgezeichnete „Tumormarker“ in der Nachsorge von Schilddrüsentumoren.
Sonographie (Ultraschalluntersuchung)
Die Untersuchung ist ungefährlich und mit keiner schädlichen Strahlenbelastung verbunden und wird daher auch bei Schwangeren und Kindern durchgeführt.Ähnlich wie beim Echolot der Meeresböden kann mittels hochfrequenter Schallwellen die Gewebsstruktur des Organismus untersucht werden. Ein Schallkopf (Schallsonde) sendet Schallwellen von der Hautoberfläche aus in den Körper und registriert die vom Gewebe zurückkommenden Schallwellen (Echo). Durch eine spezielle Anordnung dieser Sender und Empfänger können diese Echos dann in einem Schnittbild zusammengesetzt werden. Daraus kann der geübte Arzt dann die Struktur und Form der Schilddrüse erkennen.
Man erkennt ob Knoten vorhanden sind, kann Größe und Beschaffenheit dieser Knoten angeben und auch die Größe der Schilddrüse bestimmen.
Die Ultraschalluntersuchung der Schilddrüse ist ein sehr wesentlicher Bestandteil der Diagnostik und sollte daher nach der Hormonbestimmung als erstes durchgeführt werden. Eine eindeutige Unterscheidung zwischen gut- und bösartigen Knoten ist aber nicht möglich, auch kann nichts über die Funktion dieser Knoten ausgesagt werden.
Szintigraphie (nuklearmedizinische Schilddrüsenuntersuchung)
Die Schilddrüsenszintigraphie ergänzt die Ultraschalluntersuchung und soll mit dieser gemeinsam beurteilt werden.Die Schilddrüse benötigt für die Produktion der Schilddrüsenhormone Jod. Wenn man radioaktives Jod (131J, 123J) über die Nahrung zuführt wird dieses so wie nicht radioaktives Jod in den funktionstüchtigen Schilddrüsenzellen (Thyreozyten, Follikelzellen) aufgenommen und gespeichert. Dieses radioaktive Jod sendet Strahlung aus (Gammastrahlung, die wesensähnlich der Röntgenstrahlung ist). Mit einem geeigneten Messsystem (Gammakamera) kann der Nuklearmediziner mit Hilfe eines Computers die Verteilung dieses radioaktiven Jods bildhaft darstellen und über die Funktion einzelner Knoten Auskunft geben. Nicht funktionierende Knoten werden als „kalt“ und zu viel funktionierende Knoten als „heiß“ bezeichnet.Heute wird für die Diagnostik fast ausschließlich radioaktives Technetium (99mTc) verwendet. Es wird gleich wie radioaktives Jod gespeichert, die Strahlenbelastung für den Patienten ist aber wesentlich geringer weil die Halbwertszeit nur 6 Stunden beträgt.
Radioaktives Jod wird aber nach wie vor für die Behandlung solcher „heißer“ Knoten statt einer Operation eingesetzt (Radiojodtherapie).
Die Szintigraphie darf nur von entsprechend ausgebildeten Ärzten (Nuklearmediziner, in manchen Ländern auch Röntgenfachärzten) durchgeführt werden. Entsprechende Adressen findest Du unter www.ogn.at für Österreich.
Die Radiojodtherapie gutartiger Schilddrüsenerkrankungen darf unter gewissen Voraussetzungen in Österreich auch ambulant durchgeführt werden.
Schilddrüsenpunktion (sogenannte „Feinnadelpunktion“)
Bestimmte Knoten werden mit einer dünnen Injektionsnadel punktiert. Das gewonnene Material wird vom Pathologen untersucht (Zytologie). Der kann Knoten die eventuell bösartig sind von gutartigen unterscheiden. Das Ergebnis ist aber meist nur eine zusätzliche Diagnose. Endgültig kann ein Knoten nur histologisch (also durch feingewebliche Untersuchung) vom Pathologen beurteilt werden, also erst nach einer Kropfoperation.
Zusammenfassung
Eine genaue Beurteilung der Schilddrüse erfordert also neben einer körperlichen Untersuchung (Tastbefund) eine Funktionsdiagnose mittels Laborproben, eine Ultraschalluntersuchung und, wenn Knoten vorhanden sind auch eine Szintigraphie, bei Bedarf auch eine Punktion eines Knotens.
Erst dann kann eine wirksame Behandlung erfolgen.
Als so genannte „Eingangsdiagnostik“ bei Verdacht auf eine Schilddrüsenfunktionsstörung reicht die Bestimmung des TSH alleine aus.
Ein TSH im Normbereich (nach neuesten Erkenntnissen zwischen 0,3 und 2,5 mU/l) schließt eine klinisch bedeutungsvolle Schilddrüsenfunktionsstörung mit großer Sicherheit aus, nicht aber eine Schilddrüsenerkrankung!
Wenn dann auch noch ein normaler Ultraschallbefund erhoben wird liegt keine Schilddrüsenerkrankung vor. Schilddrüsenvergrößerungen mit Knoten (Struma, Kropf) sollten aber auf jeden Fall vom Nuklearmediziner weiter abgeklärt werden.
Autor: Dr.W.Zechmann
»
Keine Kommentare
Es gibt bisher noch keine Kommentare.
» Kommentar schreiben
Nur registrierte Benutzer können Kommentare schreiben. Bitte melde dich an oder registriere dich.
|