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Bakterium im Darm schützt vor Entzündungskrankheiten |
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Boston (pte/30.05.2008/10:15) - Ein Bakterienstamm, der natürlicherweise in der Darmflora des Menschen vorkommt, übt offenbar eine entzündungshemmende Wirkung aus, die das Entstehen und die Symptome von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen lindert. Dies berichten Mediziner der Harvard Medical School im Wissenschaftsmagazin Nature. Verantwortlich für diesen protektiven Effekt sei das Zuckermolekül Polysaccharid A, welches von Bakterien des Typs Bacteroides fragilis produziert wird. Untersuchungen an Mäusen zeigten, dass das Saccharid so auf die T-Lymphozyten - die körpereigenen Abwehrzellen - einwirkte, dass weniger entzündungsförderliche aber mehr entzündungshemmende Interleukine hergestellt werden. "Wir konnten so zum ersten Mal zeigen, dass ein von Darmbakterien produziertes Molekül im Tiermodell einen therapeutischen Effekt hat", sagt Studienautor Denis Kasper.
Bereits vor drei Jahren hatte die Gruppe um Kasper herausgefunden, dass
die Art B. fragilis bei Mäusen ohne Darmbakterien das
Immungleichgewicht wiederherstellen konnte. Auch daran war das
Polysaccharid A beteiligt. Bei diesen Versuchen konnten die Forscher
gleichzeitig eine große Zahl bestimmter Immunzellen nachweisen, die vor
Morbus Crohn schützen. Diese Beobachtung bildete den Anlass zur
aktuellen Untersuchung. Hierzu verabreichten sie Mäusen in einer
keimfreien Umgebung zunächst das Heliobacter hepaticus-Bakterium, was
bei allen Versuchtieren zum Ausbruch einer Darmentzündung führte.
Kombinierten die Wissenschaftler das entzündungsauslösende Bakterium
mit dem extrahierten Bakterienzucker, zeigten sich keine
Krankheitssymptome. "Aber dann war die Schlüsselfrage, ob das
Polysaccharid essentiell zur Prävention einer Darmentzündung war und
falls ja, wie der Effekt zustande kam", erklärt Kasper. Die Antwort
fanden die Wissenschaftler in den Interleukinen, den Botenstoffen des
Immunsystems, die von den T-Lymphozyten ausgeschüttet werden.
Vorhergehende Studien hatten gezeigt, dass zwei Interleukine, IL-17 und
IL-23, das Entstehen von Darmentzündungen begünstigen und bei
derartigen Erkrankungen in großen Mengen im Körper vorliegen.
Dementsprechend waren auch bei den erkrankten Mäusen die Spiegel der
beiden Substanzen hoch. Bei denjenigen Tieren, die mit B. fragilis oder
dem reinen Polysaccharid "geimpft" wurden, fehlten diese Interleukine
jedoch. "Wir begriffen, dass irgendetwas in den Zuckermolekülen die
Entzündung verhindern muss, die Colitis ulcera und Morbus Crohn
auslöst", sagt Kasper. Die Forscher betrachteten daraufhin ein drittes
Interleukin, das IL-10, welches übersteigerte Entzündungsreaktionen im
Körper verhindert. Bei Gabe des schützend wirkenden Bakteriums in
Verbindung mit einem Antikörper, der das IL-10 blockierte, erkrankten
wiederum alle Mäuse an einer Darmentzündung. Daraus folgerten die
Wissenschaftler, dass das Polysaccharid A die Immunzellen anregt, mehr
Interleukin 10 zu produzieren, das wiederum die Darmentzündung
unterdrückt.
Kasper und seine Kollegen raten dennoch dazu, mit den Ergebnissen
vorsichtig umzugehen, da das Polysaccharid A wahrscheinlich nicht der
einzige Faktor bei Darmentzündungen sei. Auch sei das B.
fragilis-Bakterium nur eines von vielen Bakterien, das in der Lage sei
Stoffe herzustellen, die einen Einfluss auf das menschliche Immunsystem
haben. "Wenn man sich allein die Anzahl der Bakterien im
Magen-Darm-Trakt ansieht, scheint das Potenzial, neue Moleküle zu
entdecken, die bei einer ganzen Reihe von Krankheiten helfen können,
sehr vielversprechend", so Kasper. Ob das Polysaccharid A im Menschen
aber den gleichen Effekt habe wie im Tierversuch, könne derzeit noch
nicht abgeschätzt werden.
Quelle:
pte080530010
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