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Hungerhormon möglicherweise verantwortlich für Fettsucht |
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Hormon Grehlin wirkt auf das Belohnungszentrum im Gehirn
Montreal (pte/07.05.2008/12:35) - Das Hormon Grehlin, das vom Magen in die Blutbahnen abgegeben wird und das Hungergefühl anregt, beeinflusst offenbar Hirnregionen, die den Menschen stärker auf Nahrungsmittelreize reagieren lassen. Das ergab eine Studie von Wissenschaftlern des Montreal Neurological Institute an der McGill University.
Demnach steigert Grehlin die Wahrnehmung und das Erinnerungsvermögen
bezogen auf Lebensmittel. "Wenn man mit leerem Magen in einen
Supermarkt geht, sehen alle Lebensmittel besser aus", sagt
Studienleiter Alain Dagher. "Wir haben jetzt herausgefunden, dass
Grehlin für die Prozesse im Gehirn verantwortlich ist, die das Essen so
ansprechend erscheinen lassen."
Bisher war man davon ausgegangen, dass Hunger durch zwei verschiedene
Mechanismen kontrolliert wird. Zum einen werde er durch einen
hormonellen Prozess ausgelöst, bei dem das Gehirn beispielsweise durch
Grehlin die Anweisung erhält, den Körper zur Nahrungsaufnahme
anzuregen. So soll ein konstantes Körpergewicht und die
Energieversorgung aufrechterhalten werden. Zum anderen gebe es den
hedonistischen Nahrungsverzehr – das Lustessen -, der durch visuelle
oder Geruchsreize ausgelöst wird. Die Gruppe um Dagher aber meint, dass
diese beiden Mechanismen miteinander verbunden sind und dass das
Hungerhormon Grehlin in beiden eine entscheidende Rolle spielt. "Unsere
Studie zeigt, dass Grehlin bestimmte Hirnregionen dazu anregt,
empfänglicher gegenüber visuellen Nahrungsreizen zu sein. So wird der
hedonistische Essdrang verstärkt", sagt der Neurologe. Grehlin wird im
Magen produziert, wenn dieser Nahrung benötigt. So steigt der
Hormonspiegel vor dem Essen und sinkt danach wieder ab.
Fettsucht eine Sache des Gehirns
Die Untersuchungen würden zudem die Ansicht stützen, dass es sich bei
der Fettsucht eher um eine Erkrankung des Gehirns handele und Hunger
eine Art Essenssucht darstelle. Denn Grehlin, so fanden die Forscher
heraus, wirkt im menschlichen Gehirn auf die Belohnungszentren, die
auch bei Drogensucht angesprochen werden. Um den Einfluss von Grehlin
auf das Gehirn zu untersuchen, verabreichten die Forscher einem Teil
ihrer Probanden das Hormon und zeigten beiden Gruppen Abbildungen von
Lebensmitteln. Dabei wurde der Blutfluss im Gehirn mittels funktionaler
Magnet-Resonanz-Tomographie beobachtet. Diejenigen, die einen höheren
Grehlinspiegel hatten, zeigten auch eine höhere Aktivität in gewissen
Hirnregionen. So sei beispielsweise der Blutfluss im Striatum höher
gewesen, das Rezeptoren für den Neurotransmitter Dopamin – das
Glückshormon - enthält. Auch die Amygdala und der orbiforntale Cortex
seien bei den Probanden, die zusätzliches Grehlin erhalten hatten,
aktiver gewesen. Diese beiden Hirnregionen koordinieren die Antworten
auf Reize und verfestigen die Erinnerungen eines Ereignisses. "Wenn man
etwas isst, dass einem nicht bekommt, wird man es dank der Amygdala
nicht wieder essen", erklärt Dagher.
Zusätzlich zur Wirkung im Belohnungszentrum konnten die Wissenschaftler
auch einen Einfluss auf die Erinnerungsfähigkeit der Probanden, denen
das Hungerhormon verabreicht wurde, feststellen. So sahen die
Lebensmittel für sie nicht nur ansprechender und plastischer aus, die
Probanden erinnerten sich auch besser an die Bilder, die sie gesehen
hatten. Ob sich Grehlin allerdings generell auf das Erinnerungsvermögen
auswirkt oder nur in Bezug auf Nahrungsmittel, bleibt jedoch ungeklärt.
Seit einiger Zeit werden Grehlin blockierende Medikamente als mögliche
Therapie gegen Fettleibigkeit diskutiert, um so den Appetit zu zügeln.
Derartige Behandlungswege sehen die Forscher jedoch als nicht
ungefährlich an. "Wir konnten zeigen, dass Grehlin auf Hirnregionen
wirkt, die mit dem Entstehen von Emotionen und Motivation verbunden
sind. Ein Medikament, das diese Funktionsweisen unterdrückt, bringt das
Risiko von Nebenwirkungen auf den Gemütszustand und die
Erinnerungsfähigkeit mit sich", meint Dagher.
Quelle:
pte080507029 - clmi
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