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Interview mit Prof. Roden zu seinem Forschungsprojekt: Zusammenhang zwischen Fettleber und Typ II Diabetes


Wien (OTS) - Prim. Prof. Dr. Michael Roden, Leiter der 1. medizinischen Abteilung am Hanusch-Krankenhaus, ist in den letzten 15 Jahren vielfach für seine Forschungsarbeiten ausgezeichnet worden. Besonders hervorzuheben ist die Verleihung des begehrtenMinkowski-Preises im Oktober 2006. Prof. Roden war der erste Österreicher, der diese höchste Auszeichnung auf dem Gebiet der Endokrinologie (Hormonforschung) erhalten hat. Mit dem 1961 erstmals verliehenen Preis anerkennt die Europäische Gesellschaft für Diabetes(EASD) kontinuierlich herausragende Leistungen von Ärzten und
Biochemikern unter 45 Jahren bei der Erforschung von Diabetes Mellitus und damit verbundenen Krankheiten.

Heuer und nächstes Jahr fördert GlaxoSmithKline die Diabetesforschung in Europa mit 1 Mio. Euro. Prof. Roden ist mit seinem Forschungsprogramm "Lipid-Speicherung und die Funktion der Mitochondrien - von der Fettleber zum Typ II Diabetes" einer von zehn Antragstellern, die von der European Foundation for the Study of Diabetes (EFSD) ausgewählt wurden bzw. 2008 noch werden und jeweils 100.000,- Euro erhalten. 

Der Bitte, seine Forschungstätigkeit für Laien verständlich zu erklären, kommt Prof. Roden gerne nach, indem er am Ursprung - bei der Zelle - beginnt:  "Die Zelle ist wie ein Motor. Die Zellkraftwerke (Mitochondrien) produzieren ATP (Adenosintriphosphat) und stellen damit allen möglichen Stoffwechselvorgängen Energie zur Verfügung. Wird zuwenig ATP produziert, kommt es zu einer Störung der Zellkraftwerke. Bei Typ II Diabetikern und anderen hormonellen Erkrankungen liegt eine Störung der ATP-Produktion im Muskel vor, so dass die Nahrungsstoffe auch bei Überangebot nicht richtig genützt und weniger Energie   wonnen werden kann. Das Zuviel an Fett wird im Muskel, aber auch in der Leber gespeichert. Insulinresistente Patienten haben häufig eine Fettleber, die nicht auf übermäßigen Alkoholgenuss zurückzuführen ist. Die Folgen jedoch sind die gleichen und können bis zur tödlichen Leberzirrhose führen. 

Wir wissen nicht, ob in der Leberzelle selbst auch ein solcher Defekt vorliegt. Die erste Herausforderung im Rahmen der Forschungsarbeiten lag vor allem darin, eine Untersuchungsmethode zu finden, bei der keine Gewebsproben entnommen werden müssen und bei der der Patient keiner Strahlenbelastung ausgesetzt wird. Die von uns entwickelte Anwendung der Magnetresonanzspektroskopie ermöglicht eine schmerzfreie und ungefährliche Untersuchung. Die Untersuchungen erfolgen im Rahmen einer langjährigen engen Kooperation mit dem MR  Center of Excellence der Med Uni Wien am AKH und sind in dieser Form weltweit nur wenigen Institutionen möglich.  Erstmals können wir den Energiestoffwechsel von Leberzellen des Menschen unter realen  edingungen beobachten und wollen im Rahmen des neuen Projektes (gefördert von der European Foundation for the Study of Diabetes) so mögliche Ursachen für die nicht-alkoholische Fettleber untersuchen.

Mit Hilfe des Spektrums radiomagnetischer Wellen sehen wir nicht nur, wie die Zuckeraufnahme und -speicherung in den Zellen funktioniert, sondern verfolgen auch den Energiestoffwechsel. Im Rahmen dieses Projektes soll nun geklärt werden, ob bei Menschen mit Fettleber eine relevante Störung der ATP-Synthese vorliegt und danach, ob diese auch durch Behandlung modifizierbar ist.  Es ist vorstellbar, dass Menschen mit bestimmtem genetischen Profil unterschiedlich auf verschiedene Diäten ansprechen. Die Forschungsergebnisse sollen so von praktischem Wert sein, um optimale Therapieansätze für verschiedene Patientengruppen zu finden.  Die Erforschung und Behandlung von hormonellen Erkrankungen wie Diabetes ist ein wichtiges Thema, das mir sehr am Herzen liegt. Aber wir haben noch viel Aufklärungsarbeit vor uns."  Wir danken für das Gespräch! 

 

OTS0266 2007-12-14/14:37141437 Dez 07

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