Wissenschaftler hoffen auf neue Therapieansätze
Köln/Mainz (pte/15.03.2007/13:55) - Ein gestörter zellulärer Signalweg kann chronisch entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulceroisa auslösen. Wie ein internationales Forscherteam in der Online-Ausgabe der Fachzeitschrift Nature berichtet, verursachte die Hemmung eines Signalmoleküls eine Beschädigung der Darmoberfläche bei Mäusen. Der damit verbundene molekulare Mechanismus ist vermutlich auch beim Menschen an der Entstehung chronisch entzündlicher Darmerkrankungen beteiligt. "Die Ergebnisse eröffnen einen völlig neuen Ansatz zur Entwicklung neuer Therapien", sagt Markus Neurath vom beteiligten Klinikum der Johannes Gutenberg-Universität Mainz im Gespräch mit pressetext.
Während Bakterien im Darm grundsätzlich unschädlich sind und sogar zur
Nahrungs-Verwertung beitragen, können sie Krankheiten auslösen, falls
sie in die Darmwand eindringen. Diese ist deshalb durch eine dünne
Schicht aus Epithelzellen bedeckt, die als Barriere wirkt und die
Darmwand somit vor Bakterien schützt.
Für ihre Studie züchteten die Wissenschaftler Mäuse, deren
Epithelzellen im Darm ein spezielles Protein fehlte. Dieses Protein
spielt bei der Aktivierung des Signalmoleküls NF-Kappa-B eine wichtige
Rolle, welches Zellen beim Umgang mit Stress hilft. Die Folge: Die
Mäuse entwickelten eine schwere chronisch entzündliche Darmerkrankung,
die der Darmentzündung beim Menschen ähnlich ist. "Bei Untersuchungen
haben wir festgestellt, dass das Darmepithel der Mäuse beschädigt war",
sagt Neurath. "In der Forschung wurde bereits seit längerem vermutet,
dass die Epithelzellen bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen
eine wichtige Rolle spielen. Unsere Studie liefert erstmals Ergebnisse,
die diese Vermutung bestätigen."
"NF-Kappa-B ist ein Überlebenssignal für Zellen", sagt Manolis
Pasparakis von der ebenfalls am Projekt beteiligten Universität Köln.
"Ohne dieses Molekül sterben Darm-Epithelzellen viel eher." Durch das
Absterben der Zellen entstanden Lücken in der dünnen Schicht, welche
die Darmwand schützen soll. "Durch diese Lücken konnten die Bakterien
in die Darmwand eindringen", sagt Pasparakis. Diese provozierten eine
Antwort des Darm-Immunsystems, welches Botenstoffe produzierte. Diese
verursachten die Symptome der Entzündung. "Der Kontakt des Immunsystems
mit den Darmbakterien ist der Auslöser für einen Teufelskreis", sagt
Neurath. "Denn die Entzündungssignale gelangen zu den Epithelzellen,
die durch das Fehlen von NF-Kappa-B sehr empfindlich darauf reagieren
und sterben." Die Folgen sind noch größere Lücken in der
Epithelschicht, so dass noch mehr Bakterien in die Darmwand eindringen
können. "Das Resultat ist eine fortschreitende Immunreaktion, die zu
einer chronischen Entzündung führt, wie wir sie von Patienten mit
chronisch entzündlichen Darmerkrankungen kennen," so Neurath.
In einem nächsten Schritt wollen die Wissenschaftler nun untersuchen,
welche Bakterien die Immunreaktion auslösen. "Wir vermuten, dass nur
wenige Bakterien in der Darmwand diesen Effekt verursachen." Außerdem
hoffen die Forscher, dass ihre Erkenntnisse die Entwicklung neuer
Therapien ermöglichen werden. "Bisher richteten sich die
Behandlungsansätze immer gegen die Reaktion des Immunsystems", sagt
Neurath. In Zukunft könnten dagegen Medikamente entwickelt werden,
welche die Reaktionen bei den Epithelzellen behandeln.
Autor, Quelle: pte070315033
»
Keine Kommentare
Es gibt bisher noch keine Kommentare.
» Kommentar schreiben
Nur registrierte Benutzer können Kommentare schreiben. Bitte melde dich an oder registriere dich.
|