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Bessere Früherkennung und Versorgung gefordert
 CED Round-Table-Diskussion im Wiener AKH Wien (OTS) - Von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sind in Österreich etwa 30.000 bis 40.000 Menschen betroffen, darunter viele Jugendliche. Der weiten Verbreitung stehen unzureichende Versorgungskapazitäten gegenüber: Wenige Spezialzentren in ganz Österreich betreuen die körperlich, psychisch und physisch schwer belasteten Betroffenen. Die Verbesserung der Situation von CED-Patienten stand im Mittelpunkt einer hochkarätig besetzten Round-Table-Diskussion im Wiener AKH.
"Von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) wie Morbus Crohn
und Colitis ulcerosa sind in Österreich 30.000 bis 40.000 Menschen
betroffen", sagt Univ.-Prof. Dr. Walter Reinisch, Leiter der
Arbeitsgruppe CED der Österreichischen Gesellschaft für
Gastroenterologie und Hepatologie (ÖGGH). Morbus Crohn und Colitis
ulcerosa sind lebenslange, unheilbare Erkrankungen mit progressivem
Verlauf, die die Lebensqualität dramatisch beeinträchtigen und zu
wiederholten Operationen führen können. "Diese in der Öffentlichkeit
kaum bekannten Krankheiten, die einer Umfrage zu Folge nur 7 Prozent
der ÖsterreicherInnen ein Begriff sind, werden viel zu spät
diagnostiziert. Nach einer aktuellen Erhebung dauert es 3,1 Jahre vom
Erstsymptom bis zur Diagnosestellung." Dies zum einen, weil eventuell
Betroffene die Erstsymptome nicht deuten können. Aber auch, weil
derzeit die Zahl spezialisierter ÄrztInnen und die Ausstattung mit
Spezial-Ambulanzen den Bedarf der PatientInnen nicht decken können,
erklärt Prof. Reinisch.
CED und die Versorgungslage der davon Betroffenen standen im
Mittelpunkt einer Round-Table-Veranstaltung der ÖGGH und der
Betroffenenorganisation Österreichische Morbus Crohn / Colitis ulcerosa
Vereinigung (ÖMCCV) am Wiener AKH, die von Univ.-Prof. Dr. Alfred
Gangl, Vorstand der Univ.-Klinik für Innere Medizin IV, moderiert wurde.
"Aus der gegenwärtigen Versorgungs-Situation können schwerwiegende
irreversible gesundheitliche, psychosoziale und wirtschaftliche
Probleme resultieren, die allerdings in vielen Fällen bei rechtzeitiger
Diagnose und Therapie vermeidbar gewesen wären", so ÖMCCV-Präsident
Ing. Franz Schiener. Unkenntnis, Unverständnis und Verharmlosung der
Symptomatik durch die Bevölkerung würden die Tabuisierung der
Erkrankung und die Ausgrenzung Betroffener fördern: "Konsequente
Aufklärung und Information aller Involvierten sind eine zentrale
Voraussetzung zur Verbesserung der Situation."
Sektionsleiter Prof. Schlögl: Einen höheren Bekanntheitsgrad der CED erreichen
Ein Anliegen, das auch das Bundesministerium für Gesundheit und Frauen
unterstützt. "Wir werden uns gemeinsam mit Patienten und Behandlern
dafür einsetzen, einen höheren Bekanntheitsgrad der CED zu erreichen",
stellt Sektionsleiter Hon. Prof. Dr. Robert Schlögl
weitere Aktivitäten in Aussicht.
Ein zentrales Problem, waren sich die Experten einig, ist bei CED die
häufig erst sehr späte Diagnosestellung, die ein oft vermeidbares
Fortschreiten der unerkannten Krankheiten mit sich bringt. Abhilfe
schaffen kann hier ein verbesserter Wissensstand beim
Allgemeinmediziner, dem oft ersten ärztlichen Ansprechpartner von
Patienten.
Univ.-Prof. Maier (ÖGAM): Gemeinsam Diagnose-Check nach State of the Art optimal umsetzen
"Eine Verbesserung in der Diagnosesituation ist wünschenswert", ist
Univ.-Prof. Dr. Manfred Maier, Vorstandsmitglied der Österreichischen
Gesellschaft für Allgemeinmedizin (ÖGAM) überzeugt. "Damit
Allgemeinmediziner diese wichtige Aufgabe noch besser wahrnehmen
können, werden wir gerne mit der ÖGGH zusammenarbeiten, um den
Diagnose-Check nach State of the Art optimal umzusetzen."
Positive Entwicklungen sieht Sektionsleiter Schlögl hier auch im neuen
Ausbildungs-Curriculum für Fachärzte: "Aufgrund der längeren und
intensiveren Ausbildung werden Fachärzte für Allgemeinmedizin in
Zukunft besser auf ihre Rolle als Navigatoren im Gesundheitssystem
vorbereitet sein."
Durch die unterschiedlichen Erscheinungsformen von CED sei die Diagnose
allerdings oft nur in erfahrenen Zentren eindeutig möglich, analysiert
ÖMCCV-Präsident Schiener: "Diese sind jedoch durch mangelnde Ressourcen
überlastet, sodass es zu langen Wartezeiten bei den Terminen kommt.
Außerdem gibt es starke regionale Unterschiede in der Versorgung."
AKH-Direktor Univ.-Prof. Krepler: Ambulanter Bereich bei weitem zu niedrig dotiert
Eines der großen Strukturprobleme ist die nicht ausreichende
Finanzierung der spezialisierten Anlaufstellen. "Das System der
Leistungsorientierten Krankenanstalten-Finanzierung (LKF)
berücksichtigt derzeit den stationären Bereich, der ambulante Bereich
ist pauschal und bei weitem zu niedrig dotiert", sagt Univ.-Prof. Dr.
Reinhard Krepler, Ärztlicher Direktor und Direktor der Teilunternehmung
AKH. "Es stellt eine enorme Leistung der Stadt Wien dar, dass von ihr
alleine 80 Prozent der Kosten des Ambulanzbetriebes getragen werden."
Einen ebenso großen Anteil leiste die Medizinische Universität Wien
durch die Beistellung der höchst qualifizierten Ärzte. Prof. Krepler:
"Ich würde mir wünschen, dass auch andere Träger von Krankenanstalten
dem Beispiel des AKH und der Medizinischen Universität Wien folgen und
für die von CED betroffenen Patienten entsprechende
Betreuungseinrichtungen bereit stellen."
Patientenanwalt Dr. Bachinger: Qualitätskontrolle auch bei den Chefärzten
Als gute Nachricht, so Prof. Reinisch, müsse das Vorhandensein
wirksamer Medikamente gegen CED gesehen werden: "Diese sind allerdings
oft teuer, und deren Verschreibung ist nicht selten mit Hindernissen
verbunden." Moderne Medikamente, weiß ÖMCCV-Präsident Schiener aus
Erfahrung, "werden oft aus Kostengründen nicht eingesetzt oder von den
Chefärzten abgelehnt. Ihr potenziell großer Nutzen für die Patienten
kommt dadurch nicht zum Tragen."
"Je nach Sozialversicherungsträger gibt es hier sehr unterschiedliche
Genehmigungspraktiken, daher wird die Medikamentenbewilligung von
Patienten oft als intransparent erlebt", beobachtet Patientenanwalt Dr.
Gerald Bachinger. "Zu fordern ist deshalb aus Patientensicht mehr
Qualitätskontrolle auch bei den Chefärzten."
HV-Generaldirektorin Mag. Hartinger: ÖMCCV-Einladung zu Chefärzte-Treffen
 großes Interesse am CED Round-Table
Eine Forderung, der auch Mag. Beate Hartinger, Stv. Generaldirektorin
des Hauptverbandes der Österreichischen Sozialversicherungsträger, viel
abgewinnen kann: "Bezüglich einheitlicher Qualität wird sich in Zukunft
einiges ändern." Um allfällige Informationsdefizite zu überwinden,
sprach GD Hartinger bei der Veranstaltung spontan eine Einladung an die
ÖMCCV aus, an einem der nächsten Treffen der leitenden Chefärzte
teilzunehmen.
Kritisiert wurden von Patientenvertretern neben der gelegentlichen
Nicht-Bewilligung bestimmter Medikamente durch Chefärzte auch die hohen
finanziellen Belastungen: "Kleine Packungsgrößen bei Medikamenten und
die fehlende Möglichkeit der Dauerrezeptur bei vielen ständig
benötigten Medikamenten belasten das Budget Betroffener durch die
häufigen Rezeptgebühren unnötig stark", so ÖMCCV-Präsident Schiener.
Dazu GD Hartinger: "Langzeitverordnungen bei chronischen Erkrankungen
bis zu 12 Monaten sind möglich – die Ärzte müssen eben davon Gebrauch
machen."
Sozialrechts-Experte Dr. Schuster: Zahlreiche Hilfestellungen für chronisch Kranke
Zu den gesundheitlichen Problemen kommen bei CED-Patienten oft hohe
finanzielle Belastungen durch die Erkrankung, Probleme in der
Ausbildung und im Berufsleben mit entsprechenden sozialen und
wirtschaftlichen Folgen. "Hier kann das Bundessozialamt wichtige
Unterstützungen bieten", sagt Dr. Günther Schuster, Leiter
Bundessozialamt, Landesstelle für Wien. Die möglichen Hilfestellungen
für chronisch Kranke reichen von einem erhöhten Kündigungsschutz über
steuerliche Vergünstigungen bis hin zu Förderungen für die berufliche
Integration. Dr. Schuster: "Es lohnt sich daher in jedem Fall, sich bei
uns zu informieren."
Selbsthilfe braucht bessere finanzielle Ressourcen
Eine wichtige Anlaufstelle für CED-Patienten ist auch die ÖMCCV.
"Selbsthilfe-Gruppen und Patienten-Organisationen wie die ÖMCCV", so
Patientenanwalt Bachinger, "spielen heute eine immens wichtige Rolle,
das betonen heute alle im Gesundheitssystem. Aber Anerkennung allein
reicht nicht, sondern es bedarf einer guten finanziellen Grundlage. Sie
brauchen bessere finanzielle Ressourcen, um ihre vielfältigen Aufgaben
wahrnehmen zu können".
Kompetenz auf vier Ebenen schaffen
Neben der wichtigen Aufgabe der Selbsthilfe sei ein wesentlicher Ansatz
zur Verbesserung der Situation von CED-Patienten, so Prof. Reinisch,
auf vier Ebenen die Kompetenz zu stärken:
- die Kompetenz der Aufklärung
- die Kompetenz der Erkennung von Symptomen bei Allgemeinmedizinern
- die diagnostische Kompetenz
- die therapeutische Kompetenz.
Das AKH nimmt gerne für Ambulanzen zweckgebundene Spenden entgegen. Es
wird um Spenden auf das Konto bei der BA-CA Kto.Nr. 514 28 284 55 905
mit dem Widmungsvermerk CED gebeten.
Mehr Fotos hier...
OTS0139 2006-12-12/11:50
121150 Dez 06
OTS0139 5 CI 1160 NEF0005
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