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Prävalenz stieg in nur acht Jahren von 8,5 Prozent auf 9,1 Prozent
Rund eine Milliarde Menschen leiden weltweit an Übergewicht. Davon sind
über 300 Millionen fettsüchtig. In Österreich sind bis zu 23 Prozent
der Männer und bis zu 24 Prozent der Frauen adipös. Wissenschaftlichen
Erkenntnissen zufolge ist Adipositas (Fettsucht) ein bedeutender
Einflussfaktor für viele chronische Krankheiten und einige
Krebserkrankungen. Somit wird Adipositas als Hauptgesundheitsproblem
dieses Jahrhunderts gesehen. Die ökonomische Dimension von Adipositas
ist dementsprechend groß.
 (c) welldone.at (Wien, 29. August 2006) – „Adipositas verursacht in Österreich direkte Kosten für Krankenhausaufenthalte, Ambulanzen, Medikamente und indirekte Kosten für Ressourcenverlust und Produktivitätsausfälle infolge von Krankheit und Arbeitsunfähigkeit sowie intangible Kosten aufgrund von Schmerzen und verminderter Lebensqualität. Bei einer Umrechnung internationaler Kostenschätzungen auf Österreich ergeben sich Gesundheitskosten für das Jahr 2004 von 227,7 Millionen bis 1,1 Milliarden Euro. Rund 59,6 Millionen Euro wären auf Bluthochdruck, 46,2 Millionen auf Osteoarthritis, 44,2 Millionen auf koronare Herzerkrankungen bei unter 65-Jährigen und 38,0 Millionen auf Diabetes mellitus als Folgeerkrankungen der Adipositas zurückzuführen. Wenn sich die Prävalenz in Österreich um nur ein Prozent verringern würde, so könnten direkte Gesundheitskosten in der Höhe von 751,4 Millionen Euro eingespart werden“, kommentiert Univ.-Prof. Dr. Anita Rieder vom Institut für Sozialmedizin und Präsidentin des Vereins „Altern mit Zukunft“ die Daten aus dem ersten österreichischen Adipositasbericht 2006. Rieder weiter „Zwölf bis über 20 Prozent derjenigen, die an der Vorsorgeuntersuchung teilnehmen, sind schwer übergewichtig. Deshalb besteht hoher Handlungsbedarf für umfassende Strategien in der Prävention und Therapie“.
Österreichischer Adipositasbericht zeigt notwendigen Handlungsbedarf auf!
Adipositas, durch eine übermäßige Ansammlung an Fettgewebe im Körper erkennbar, wird als chronische Gesundheitsstörung verstanden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) verwendet eine internationale Klassifikation für Übergewicht und Adipositas. Geschlechtsunabhängig gilt für Übergewicht ein Body Mass Index (BMI) ≥ 25,0 Kilogramm pro Quadratmeter, für Adipositas ≥ 30,0 Kilogramm pro Quadratmeter. Der Bauchumfang bei abdomineller Adipositas ist bei Männern ≥ 102 Zentimeter und bei Frauen ≥ 88 Zentimeter.
Mit dem Erfassen der Kerndaten sollen im österreichischen Adipositasbericht die quantitative und qualitative Darstellung und damit die Abschätzung des Public Health-Problems Adipositas in Österreich erfolgen. „Der Bericht zeigt anhand der erarbeiteten Daten und Fakten einen dringenden Handlungsbedarf in Österreich in allen Altersgruppen auf.“, so Rieder. Er bietet eine umfassende, wissenschaftlich fundierte Basis für gesundheitspolitische Überlegungen im Hinblick auf therapeutische Maßnahmen. „Die Erwartungen zielen in Richtung Entscheidungshilfe zur Strategieentwicklung und Verbesserung in der Adipositasprävention. Das Ziel sollte auch sein, dass wir allen Adipositaspatienten österreichweit eine langfristige und professionelle Therapie bieten können“, erklärt Univ.-Doz. Dr. Ingrid Kiefer.
„Epidemiologische Daten zeigen, dass Übergewicht und Adipositas in allen Ländern zunimmt. Etwa die Hälfte der Männer und ein Drittel der Frauen in Österreich sind übergewichtig. Für die Entwicklung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfall, Diabetes sowie zahlreiche andere Krankheiten stellen Übergewicht und Adipositas einen hohen Risikofaktor dar. Die Adipositasprävalenz stieg in der erwachsenen Gesamtbevölkerung von 1991 bis 1999 von 8,5 Prozent auf 9,1 Prozent. Deshalb begrüße ich die Initiative der Experten, die diesen Adipositasbericht erstellt haben. Der Bericht besitzt besonders hohes präventives Potential“, erklärt Bundesministerin Maria Rauch-Kallat vom Bundesministerium für Gesundheit und Frauen.
“Im Rahmen der medikamentösen Therapie ermöglicht die Pharmaindustrie den Patienten und den behandelnden Ärzten kostenintensive Begleitprogramme, um die Compliance zu verbessern und die Chancen auf Therapieerfolg zu erhöhen und die somit entstehenden Kosten zu rechtfertigen“, weiß Dr. Hubert Dreßler, General Manager der sanofi-aventis GmbH Österreich und Präsident der Pharmig.
Dr. Georg Vana, Director Corporate Affairs von Pfizer Österreich erklärt überzeugt: „Der vorliegende erste österreichische Adipositasbericht ist ein gute Basis, um gemeinsam Lösungen zu erarbeiten und anzubieten. Das Problem Adipositas lässt sich nur in der Zusammenarbeit aller Akteuere im Gesundheitsbereich lösen.“
Häufigkeit von Adipositas nach Krankenhausstatistik: Rund 6.000 Fälle im Jahr 2004 (c) welldone.at
Eine im Jahr 2004 durchgeführte Auswertung der Krankenhausentlassungsstatistik ergab, dass 5.839 Fälle mit der Hauptentlassungsdiagnose „Adipositas“ oder „Lokalisierte Adipositas“ dokumentiert wurden. 64 Prozent, also fast zwei Drittel davon, betrifft Frauen. In den Altersgruppen der 45- bis 60-Jährigen und der 30- bis 44-Jährigen wurde die höchste Zahl mit Diagnose Adipositas erfasst. In den bevölkerungsreichen Bundesländern Wien, Nieder- und Oberösterreich war die absolute Zahl der Krankenhausentlassungen mit der Hauptdiagnose Adipositas am höchsten. Die Aufenthaltsdauer der dokumentierten 5.839 stationär versorgten Adipositasfälle betrug 73.400 Tage, also 12,6 Tage pro Fall. „In Anbetracht dieser Erkenntnisse war es uns auch seitens der Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK) ein Anliegen, den heute präsentierten Adipositasbericht zu fördern und zu unterstützen. Das darin aufgearbeitete Wissen bildet eine wertvolle Grundlage für die WGKK, ihre Präventions- und Gesundheitsförderungsstrategie zielgerichteter und effektiver zu gestalten, um so zu einer Verbesserung der Situation bei zu tragen“, so Franz Bittner, Obmann der WGKK und Vorstandsvorsitzender der Trägerkonferenz des Hauptverbands der Sozialversicherungsträger.
Begleit- und Folgeerkrankungen: Krebsrisiko liegt für Männer bei 3,7 Prozent
Wissenschaftlichen Schätzungen zufolge liegt der Anteil der Fettsucht allein an der Krebsentstehung hierzulande bei 3,7 Prozent bei Männern bzw. 6,0 Prozent bei Frauen. Bei österreichischen Männern werden 10,5 Prozent aller Dickdarm-, 4,2 Prozent aller Prostata-, 23,9 Prozent aller Nieren- und 2,6 Prozent aller Gallenblasenkrebsfälle auf bestehendes Übergewicht zurückgeführt. Bei den Frauen verursachte Übergewicht bei 7,4 Prozent die Entstehung von Brustkrebs, bei 9,5 Prozent Darmkrebs und 35,1 Prozent Nierenkrebs.
Adipositas bei Schwangeren: Höheres Risiko für Missbildungen des Fötus und Totgeburten
Bereits mehr als 30 Prozent der Frauen im gebärfähigen Alter sind übergewichtig. In der Geburtshilfe gilt dies als einer der wichtigsten Risikofaktoren. Übergewichtige Frauen haben häufiger Schwangerschaftskomplikationen und operative Entbindungen als normalgewichtige. Mütterliches Übergewicht kann zu Missbildungen des Fötus oder Früh- und Totgeburten führen. „Die Prävalenz zu makrosomen (an überproportionalem Wachstum leidenden) Kindern ist bei adipösen Frauen dreimal so hoch. Adipositas ist sehr häufig mit Infertilität assoziiert. Es bestehen für die Kinder adipöser Mütter erhöhte peri- und postpartale Risiken und Anpassungsstörungen, eine erhöhte Neigung zur Entwicklung von Übergewicht im späteren Leben und Stoffwechselstörungen. Etwa jede zehnte Schwangere entwickelt Schwangerschaftsdiabetes“, folgert Univ.-Prof. Dr. Alexandra Kautzky-Willer, Abteilung für Endokrinologie und Stoffwechsel an der Universitätsklinik für Innere Medizin, Wien.
Häufigkeit von Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen
Unter den österreichischen Kindern und Jugendlichen sind zehn bis 29 Prozent der Burschen und sechs bis 42 Prozent der Mädchen übergewichtig; fünf bis elf Prozent der Burschen und drei bis vier Prozent der Mädchen gelten als adipös. Basierend auf Schätzungen können in Wien 19,2 Prozent der Kinder zwischen 0,5 und zehn Jahren und 24,9 Prozent der zehn- bis 17-Jährigen als übergewichtig bezeichnet werden. Fünf Prozent der unter Zehnjährigen und 6,1 Prozent der über Zehnjährigen sind adipös. Bei Familien mit geringem sozioökonomischem Status tritt Adipositas gehäuft auf. Gerade Kinder und Jugendliche leiden beispielsweise aufgrund des sozialen Ausschlusses, der verbalen und psychischen Attacken usw. sehr unter ihrem Übergewicht.
Fettsucht in Österreich: Das Burgenland ist Spitzenreiter! (c) welldone.at
Die Prävalenz der Adipositas nach Bundesländern betrachtet, lässt ein deutliches Ost-West-Gefälle feststellen. Das Burgenland verzeichnet mit 13,1 Prozent die höchste Adipositasprävalenz, in Salzburg ist mit 6,2 Prozent die niedrigste Prävalenz festzustellen. Über dem österreichischen Adipositasdurchschnitt von 9,1 Prozent liegen das Burgenland (13,1 Prozent), Nieder- (10,4 Prozent) und Oberösterreich (9,7 Prozent) sowie die Steiermark (10,2 Prozent). Adipöse Frauen sind in den westlichen Bundesländern häufiger, wogegen in den östlichen Bundesländern ein höherer Anteil an adipösen Männern besteht.
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